Ich bin doch keine Zuckermaus

Monika Zirk bläst die Kerzen auf der Geburtstagstorte aus. Foto: Christian Freund

Die Insel in Greiz feiert 20. Geburtstag

Kinder- und Jugendschutzdienst bietet zum Jubiläum Kindern und Erwachsenen ein lehrreiches Programm.

Greiz. "Oh, ist der süß", rufen Dutzende Kinder. Und tatsächlich, Frieda Friedlich ist ein niedliches Hündchen. "Ja, alle wollen sie streicheln, ohne sie zu fragen", sagt Sonja Blattmann, die damit sogleich mitten in ihrem Präventionsprogramm "Ich bin doch keine Zuckermaus" nach ihrem gleichnamigen Buch steckt. Autorin Blattmann und Karin Derks, Regisseurin und Musikerin, sind gestern anlässlich des 20. Geburtstages des Kinder- und Jugendschutzdienstes Die Insel in Greiz gewesen und haben sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene ein Programm rund um das Thema Prävention von sexueller Gewalt und Aufbau von Schutzbotschaften geboten - natürlich auf die jeweiligen Zuhörer zugeschnitten.

Am Morgen waren es die Kinder Carolinenschule, die knapp eine Stunde lang den Frauen aufmerksam lauschten. Einfühlsam und spielerisch-kindgerecht machten Blattmann und Derks den Kindern und Jugendlichen klar, dass ihr Körper ihnen gehört und sie Nein sagen können und müssen, wenn ihnen etwa Berührungen nicht gefallen.

Paula beispielsweise, das Mädchen aus dem Buch, kennt solche Situationen. Onkel Ede, Papas bester Freund, kommt ihr ständig zu nah. Aber was tun? Von ihrer Katze Samira lernen. Die lässt sich gern streicheln, liebt das Schmusen. Aber nicht mit jedem und nur dann, wenn sie Spaß daran hat. Wenn ihr Streicheleinheiten aufgezwungen werden, wehrt sie sich. Weglaufen, fauchen, Krallen ausfahren und schließlich kratzen bedeutet in Katzensprache: Nein, ich will das nicht.

"Fauchen darf auch jedes Kind!", ließ Sonja Blattmann wissen.

Viel Freude bereitete es den Carolinenschülern, herauszufinden, ob die Küsse in den auf Bildern dargestellten Situationen vom Geküssten erwünscht sind oder nicht. Daumen hoch oder runter hieß es dabei. Auch der Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen wurde ihnen spielerisch erklärt. Wenn Paula und Max sich eine Süßigkeiten-Geheimnishöhle eingerichtet haben, ist das ein gutes. Wenn ältere Kinder einem jüngeren Geld wegnehmen, es schubsen und dann verlangen, dass keiner davon erfährt, ist das ein schlechtes. Darüber sollen Kinder sprechen, "das ist kein Petzen, sondern Hilfe holen", so Karin Gerks.

Da geistig behinderte Kinder und Jugendliche häufig zu Opfern von sexuellem Missbrauch werden, ist Aufklärung hier besonders wichtig, weiß Insel-Chefin Monika Zirk. Die Carolinenschüler kennen sie deshalb gut, vor allem die Kuscheltiere, die bei ihren Präventionsveranstaltungen zum Einsatz kommen, haben es den Kindern angetan. Während einige sich von den Puppen und Bären nicht trennen wollten, streichelten andere Frieda Friedlich, die sich dabei sichtlich wohl fühlte. Sonja Blattmann signierte den Carolinenschülern ihr Buch "Ich bin doch keine Zuckermaus", das sie von der Insel geschenkt bekommen haben. Einen Wunsch hatte Monika Zirk als "Geburtstagskind" an ihre Gäste: Das Lied "In mir wohnt eine Sonne" wollte sie hören. Die Besucherinnen ließen sich nicht lange bitten und sangen gemeinsam mit den Kindern den Titel.

Am Nachmittag gab es dann einen Empfang zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Beratungsstelle. Dabei sprach unter anderem Gudrun Dreßel, Geschäftsführerin des Diakonievereins Carolinenfeld.

Katja Grieser / 05.06.14 / Ostthüringer Zeitung