"In mir wohnt eine Sonne" in Müllheim

Spielen beim Mitmachtheater kleine Szenen aus dem Kinderalltag: Sonja Blattmann (li), Karin Derks und Frieda Friedlich

Kinder stark machen

PRÄVENTION durch Information ist Ziel der Aktionswoche „Müllheim macht stark“

Kinder und Jugendliche stärken durch Information, Aufklärung und eigene Erfahrung, das will die Müllheimer Präventionswoche vom 4. bis 11. April. Ein Bündnis von Akteuren aus Schulen, Kindergärten, Schulsozialarbeit und Jugendarbeit, Beratungsstellen, Polizei, der Stadt Müllheim und des Landkreiseshat hierzu ein buntes Programm zusammengestellt.

GABRIELE HENNICKE

„In mir wohnt eine Sonne, die leuchtet und hält warm. Sie strahlt aus meinem Herzen und lacht dich an“, dieses Lied werden die Erst- und Zweitklässer der Michael-Friedrich-Wild-Grundschule und der Rosenberg- Grundschule beim Mitmachtheater der Mutmobil-Frauen Sonja Blattmann und Karin Derks singen.

Die beiden spielen kleine Szenen aus dem Kinderalltag: Wie ein Kind dem anderen sagt, dass es am Nachmittag doch nicht zum Spielen kommt, weil es lieber zu einer anderen Freundin gehen will. „Dann reden wir mit den Kindern über die Gefühle, die die beiden haben“, sagt Karin Derks. „Das eine Mädchen traut sich kaum, abzusagen, das andere ist enttäuscht und sauer.“ Da die Kinder solche und ähnliche Situationen schon selbst erlebt haben und wissen, wie sich das anfühlt, überlegen sie gemeinsam mit den Theaterfrauen, wie sie mit der Situation umgehen können.
„Wir haben einen lebensbejahenden Ansatz und wollen die Persönlichkeit der Kinder stärken. Dann sind sie besser gegen Gewalt geschützt“, erklärt Karin Derks.

Für Michael Kaszubski, verantwortlicher Dezernent bei der Stadt Müllheim, waren die Missbrauchsvorwürfe gegen einen Mitarbeiter einer städtischen Kita in Freiburg der Anlass, sich verstärkt mit den Themen Prävention und Resilienz auseinander zu setzen. „Das kann auch bei uns passieren. Mir geht es darum, die Einrichtungen zu wappnen, die Kinder zu sensibilisieren, zu schützen und zu stärken“, sagt er. Das Thema sei bereits in den Müllheimer Einrichtungen verankert, eine Vielzahl von Resilienzangeboten in Kindergärten und Schulen zeugen davon. Kaszubski brachte die Einrichtungen im Arbeitskreis Prävention zusammen. „Wir haben uns erst im November zum ersten Mal getroffen. Weil wir schon ein so gutes Netzwerk haben, haben wir es geschafft, innerhalb dieser kurzen Zeit so ein umfangreiches Programm zu stemmen“, sagt Kaszubski stolz.

Viele weitere Akteure beteiligen sich an der Präventionswoche. Das Central-Kino zeigt am Freitag, 4. April, den Film „Trust – Blindes Vertrauen“, bei dem es um eine Internetbekannschaft einer 14-Jährigen mit einem pädophilen Erwachsenen geht.Nach dem Film gibt es einen Austausch mit Experten von Polizei und Beratungsstellen. Eltern und Jugendliche haben Gelegenheit, einen Media-Check zur Mediennutzung zu machen.Die Buchhandlung Beideck beteiligt sich mit Büchertischen. Die Lebenshilfe bietet Eltern am10. April das Filmgespräch „Wege aus der Brüllfalle“. Der Film und das anschließende Gespräch wollen Eltern helfen, praktische Lösungen für schwierige Erziehungssituationen zu finden. Beim Schnupperkurs Psychomotorik am 7. und 9. April geht es darum, Kinder zwischen drei und sechs Jahren durch gezielte, entwicklungsgemäße Bewegungen zu fördern.
Dankbar ist Michael Kaszubski für das Sponsoring der EC-Gruppe „Entschieden für Christus“ und des Müllheimer Unternehmens Hellma Analytics. Auch die Bundespolizei mit ihrem Präventionsprogramm „Stopp, lassen Sie mich in Ruhe“ ist dabei.
Präventionsbeauftragter Thomas Gerbert und seine Kollegen sind seit 2012 mit ihrem Programmindenvierten Klassen an Südbadens Grundschulen unterwegs. Im Januar und Februar hat Gerbert die Müllheimer Grundschulen besucht. Zu jedem Klassenbesuch gehört ein Elternabend und ein Vormittag in der Klasse. Auch Thomas Gerbert nützt Rollenspiele, um Situationen erfahrbar zu machen und neues Verhalten auszuprobieren. „Ein erster Schritt ist immer die Erkenntnis der Kinder, dass das Opfer bestimmt, was Gewalt ist“, sagt er. „Die Kinder lernen die Stopp-Hand zu benutzen, zu schreien und die Öffentlichkeit einzubinden. “Wie das geht, zeigt er – auch Erwachsenen – beim Interaktiven Themenabend der Bundespolizei am 8. April.

>DAS PROGRAMM der Präventionswoche der Stadt Müllheim (4. – 11. April) findet man im Internet unter www.macht-stark oder auf www.muellheim.de Eröffnet wird die Woche am Freitag, 4. April, um 17.30 Uhr im Foyer des Müllheimer Rathauses.

Der Sonntag im Markgräflerland  30. März 2014