Nein sagen ist erlaubt

30.01.2013 - KASENDORF

Prävention: Gestern haben die Kasendorfer Kinder gelernt, wie man sich gegen sexuelle Übergriffe wehren kann.

Kasendorf - Sie hat sich mit ihrem Werk „Ich bin doch keine Zuckermaus“ bundesweit in Sachen Gewaltprävention einen Namen gemacht: Buchautorin Sonja Blattmann, die uns bei ihrem Gastspiel in Kasendorf für ein Interview zur Verfügung stand.

Kinder erlebenGewalt in verschiedenster Form.Was lernen die Kinder bei Ihnen, um sich dagegen zu wehren?


Sonja Blattmann:
Die Kinder lernen auf spielerische Weise, Nein zu sagen. Sie lernen, ihre Gefühle auszudrücken und zwischen guten und schlechten Geheimnissen zu unterscheiden. Kinder, die in unserem Programm schon verschiedene Situationen durchgespielt haben, können das auf aktuelle Alltagssituationen übertragen.

Was für Tipps geben sie den Jungen und Mädchen?


Sie sollen auf ihre Gefühle achten. Egal, von wem eine Berührung kommt, die Kinder entscheiden, was sie mögen oder nicht – und dürfen das sagen.
Früher wurde ja vor Fremden gewarnt, heute weiß man, dass Missbrauch im sozialen Nahraum geschieht.

Wie können Kindertagesstätten präventiv tätig werden?


Sie können dazu beitragen, die Kinder zu stärken. Hier in Kasendorf wird ein Jahr lang dieses Thema behandelt. Und man sieht, wenn man durch die Räume
läuft, dassman sich damit beschäftigt. Als ichmit der Präventionsarbeit
begonnen habe, war das noch Pionierarbeit. Damals haben die Schulen gesagt, so was passiert bei uns doch nicht. Inzwischen hat glücklicherweise ein Umdenken stattgefunden, seit Jahren ist die Nachfrage nach Präventionsarbeit ganz groß. Vor knapp 20 Jahren habe ich auch „Ich bin doch keine Zuckermaus“ geschrieben. Das ist heute ein Klassiker.

Auch in Vereinen sind Kinder nicht sicher. Wie kann man dort einer Straftat vorbeugen?


Die Vereine sollten sich Führungszeugnisse vorlegen lassen, darauf achten, wer zu ihnen kommt. Und wenn etwas vorfällt, müssen sofort Konsequenzen
gezogen werden. Die entsprechenden Handlungsrichtlinien und Strukturen müssen erarbeitet sein. Es darf nicht sein, dass erst ab dem Punkt, an dem etwas passiert ist, darüber nachgedacht wird. Da muss bereits ein Konzept vorliegen. Natürlich ist es in dörflichen Gegenden schwieriger, weil die Täter
meist noch in anderen Vereinen integriert sind.Aber auch da ist es wichtig, dass die Verantwortlichen und dieDorfgemeinschaft konsequent gegen die Täter vorgehen.

Die Gefahr lauert heute nur einen Mausklick entfernt im Internet.


Unter Schulkindern haben die sexuellen Übergriffe untereinander zugenommen. Man weiß, dass das am medialen Einfluss liegt, vor allem am Pornokonsum bei Jungs. Hilfe gibt es zum Beispiel im Internet unter
www.safe-me-online.de. Zensurprogramme helfen meist nur bei
Kindern bis zehn Jahren, dann werden die Eltern ausgetrickst.
Wichtig ist, Medienkompetenz zu vermitteln. Kinder müssen lernen, hier gut für sich selbst zu sorgen.

Das Gespräch führte Jürgen Gärtner


Zu den Personen:

Sonja Blattmann Die bekannte Autorin und Kinderliedermacherin ist seit 1994 in Sachen Gewaltprävention und Persönlichkeitsstärkung singend und spielend unterwegs. Sie gibt Fortbildungen und leitet Seminare im Bereich Kinderschutz und Sexualpädagogik.
Grundlagen Eine Fülle von praktischen Erfahrungen sowie eine Ausbildung als Theater und Sexualpädagogin sind die Grundlagen ihrer Arbeit mit Kindern und Erwachsenen.

Karin Derks Die Regisseurin, Theaterpädagogin und Musikerin unterrichtete 20 Jahre an der Moerser Musikschule. 1979 gründete sie das TiM Moerser
Kinder- und Jugendtheater und leitete es 31 Jahre bis zu ihrem Umzug nach Kandern, wo sie das Mut-Zentrum gründete.
Mut-Zentrum Das Mut-Zentrum richtet sich gegen Gewalt aller Art. Mit dem Mut-Mobil sind die beiden Frauen bundesweit unterwegs in Sachen Prävention
(Im Internet unter: www.mut-zentrum.de)