"Ich bin doch keine Zuckermaus" am 23. 4. 12 in Bad Kreuznach

Der Täter ist meist ein guter Bekannter

16.07.2012 - BAD KREUZNACH

PRÄVENTION Sonja Blattmann und Karin Derks: Theater gegen Kindesmissbrauch

Das Diakonische Werk richtet verstärkt das Augenmerk auf Präventionsarbeit zu den Themen sexuelle Übergriffe und sexueller Missbrauch gegenüber Kindern (AZ berichtete).
Die Mut-Mobilfrauen Sonja Blattmann und Karin Derks waren jüngst in der Kreisverwaltung zu Gast, um Mitarbeitern von Kitas, Schulen, Beratungsstellen, Eltern oder Beschäftigten in der Jugendhilfe über ihre Musiktheater zum Buch „Ich bin doch keine Zuckermaus“ Mut zu machen, sich dem Problem zu stellen. 

Mit dem Mut-Mobil sind beide bundesweit in Sachen Prävention gegen sexualisierte Gewalt, Persönlichkeitsstärkung und sexueller Bildung unterwegs. Mit dabei ist immer Theaterhund „Frieda friedlich“. Der kommt primär bei den Veranstaltungen mit Kindern an.
Vor der Veranstaltung für Erwachsene gab es in Bad Kreuznach auch eine Vorführung für Kitakinder. Über den Hund wird den Kindern deutlich gemacht, dass der es auch nicht mag, gestreichelt zu werden und man ihn dazu dann auch nicht zwingen sollte. 


Die beiden Frauen machten ihren Zuhörern klar, dass in den Köpfen der Menschen noch immer überholte Bilder festsitzen aus Zeiten, als das Thema noch gerne unter den dicken Familienteppich gekehrt wurde: Die Angst machende Botschaft gehe häufig in Richtung Fremdtäter. Der sei immer männlich, um die 50 Jahre alt und mit Süßigkeiten in der Tasche unterwegs. „Das ist heute oft auch die Falle, obwohl wir wissen, dass 90 Prozent der sexuellen Übergriffe nicht von Fremden, sondern von vertrauten Personen erfolgen“, so Blattmann. Auch weibliche Täter gäbe es und eine steigende Zahl von Übergriffen, die von Kindern und Jugendlichen selbst ausgingen. 


Kinder stark machende

 Alarmsignale sollten deutlicher wahrgenommen werden, denn für einen Bekannten sei es viel leichter, zu einem möglichen Opfer Vertrauen aufzubauen und dieses dann zu missbrauchen.

Ziel der Präventionskampagne ist, dass Eltern den Kindern deutlich machen, dass sie ihre Gefühle ausdrücken können, sie stark machen, um Widerstand zu leisten. „Ein potenzieller Täter hat es dann nicht so leicht“, unterstrich Blattmann.

Grundsätzlich sollten Eltern Kinder veranschaulichen, dass Geborgenheit und Zärtlichkeit etwas Schönes, aber auch etwas Freiwilliges sind, das dann falsch wird, wenn es ins Gegenteil kippt.
Und Kinder sollten wissen, dass Hilfe holen kein Petzen ist, vor allem wenn vom Täter ein Geheimhaltungsdruck ins unschöne Spiel gebracht wird und Kinder zwischen Schuld und Schamgefühl in Not geraten.
Damit Kinder sich richtig ausdrücken können, sollten Eltern mit ihrem Nachwuchs auch offen über Körper und Sexualität zu sprechen.



Gerhard Dick, Leiter des Kreisjugendamtes, hatte mit Natalie Zimmer, Ulrike Böhmer und Eckard Acker (Diakonisches Werk) die Veranstaltung eröffnet. Dick betonte, dass alle im Lokalen Netzwerke zum Schutz von Kindeswohl und Kindergesundheit Arbeitenden der Auftrag bewusst sei, den sie in diesem Bereich haben.
Der Ausbau der „frühen Hilfen“ solle weiter gefördert und Eltern für ihren Erziehungsauftrag gestärkt werden, damit ein späteres Eingreifen der Jugendhilfe erst gar nicht erforderlich werde.

Von Isabel Mittler - Allgemeine Zeitung, vom 16.07.2012