"Zum Nein-Sagen gehört Mut" 24.02.12 Dornhan

Sonja Blattmann und Karin Derks (von links) wollen mit ihrem Stück "Ich bin doch keine Zuckermaus" Kindern Mut machen, sich zu wehren. Mitgebracht haben sie ihre Hundedame Frieda Friedlich (rechts unten), die aber erst wieder munter wird, als das Publikum applaudiert. Foto: Steinmetz Foto: Schwarzwälder-Bote

Dornhan. Dass "mein Körper mir gehört" und Nein-Sagen Mut erfordert, das haben die Dornhaner Kinder am Ende der Aufführung zum Thema sexueller Missbrauch im evangelischen Gemeindehaus begriffen.Die "Vernetzte Elternbildung" hatte das Erzähltheater MuT (Musik und Theater für kleine und große Menschen) eingeladen. Gestern fanden zwei Aufführungen statt, bei denen das nicht einfache Thema kindgerecht vermittelt wurde. Die MuT-Akteurinnen sind Karin Derks, Regisseurin und Musikpädagogin, und Sonja Blattmann, Autorin und Kinderliedermacherin, aus Kandern in der Nähe von Lörrach. Im Mittelpunkt des Erzähltheaters stand das von Sonja Blattmann geschriebene Buch "Ich bin doch keine Zuckermaus".Die Hauptpersonen dieser Neinsage-Geschichte sind die knapp sechsjährige Paula und ihr gleichaltriger Freund Max. Am Beispiel der beiden wird aufgezeigt, wie sich Kinder in bestimmten Situationen verhalten sollen.Die Katze Samira von Paula lässt sich gerne streicheln, aber nur so lange wie es ihr gefällt. Samira läuft weg, wenn sie genug hat oder zeigt ihre Krallen.Auch Kinder brauchen sich nicht alles gefallen zu lassen. Um sich zu wehren, benötigt man aber Mut. So, wenn Vaters bester Freund, Onkel Ede, Paula auf den Schoß nimmt und sie fest an sich drückt. Paula mag das nicht, und den Kuss auf die Backe findet sie ekelig. "Lass mich runter. Ich bin doch keine Zuckermaus", ist die richtige Reaktion, wie Karin Derks und Sonja Blattmann den Kindern und Eltern deutlich machten.Kinder haben ihre Geheimnisse, die sie für sich behalten wollen. Warum auch nicht, wenn es schöne sind. "Wenn du petzt, bekommst du Ärger", wird Max angedroht. Diesen haben andere Kinder auf den Boden gestoßen und ihm auch noch den letzen Euro weggenommen. Da braucht er Hilfe. Und Hilfe holen, betonen die beiden Schauspielerinnen, habe nichts mit Petzen zu tun. Am Ende des Stücks übten alle im Saal, das Nein-Sagen. Die Kinder übertrafen von der Lautstärke her sogar die Erwachsen.

Von Marzell Steinmetz - Schwarzwälder-Bote, vom 24.02.2012